Der Kostpreisirrtum - ein Hirngespinst der Marx-Kritik

Marx hat im "Kapital" eine rationale Erklärung für den Ursprung des geschaffenen Reichtums und für den Zusammenhang zwischen dem Wert und dem Preis der Waren dargelegt. Die Werttheorie im ersten Band besagt, dass der Wert der Waren aus der menschlichen Arbeit stammt. Im dritten Band wird die Preistheorie entwickelt, was Preise sind und was Profit und inwiefern sich die Preise von den Werten unterscheiden. Das Herzstück ist die Wert-Preis-Transformation, durch die Marx einen quantitativen Zusammenhang zwischen dem Arbeitswert und den Preisen der Waren herstellt, so dass er die drei Bände seines "Kapital" mit Fug und Recht als ein "artistisches Ganzes" bezeichnen konnte. Man kann das Werk daher in dem einen Satz zusammenfassen, dass der Wert der Waren aus der Arbeit stammt und dass das Wertgesetz die Preise reguliert - in dem Sinne, dass der Preis der einzelnen Waren sinkt, wenn die Produktivität steigt, und umgekehrt, und dass der Gesamtpreis aller Waren durch die gesellschaftliche Gesamtarbeit und der Profit durch die unbezahlte Mehrarbeit bestimmt sind.

Das Selbstverständnis der Reichen erlaubt es nicht zuzugeben, dass ein derartig enger Zusammenhang zwischen dem Wert und dem Preis der Waren besteht. Besagt er doch, dass die ungleiche Verteilung des Reichtums und die immer weiter auseinanderklaffende Schere im Einkommen zumal durch die Eigentumsordnung oder, besser gesagt, durch die Unordnung der herrschenden Eigentumsverteilung in der Gesellschaft und nur in geringem Maße durch den Fleiß und das Geschick ihrer Mitglieder bestimmt sind. Die dienstbare Marxkritik hat sich denn auch von Anfang an darauf konzentriert, im „Kapital“ eine Inkonsistenz nachzuweisen. Schon unmittelbar nach der Veröffentlichung des dritten Bandes im Jahre 1886 behauptete Böhm-Bawerk, dass sich das Wertgesetz aus dem ersten Band nicht mit dem Preisgesetz im dritten Band vertrage. Später wurden sogar angebliche Beweise mit mathematischen Methoden geliefert. Der preußische Professor Bortkiewicz ist berühmt geworden, weil er den sog. Kostpreisirrtum aufgedeckt hat. Dieser gilt heute nach einhelligem Urteil der Experten als der Kardinalfehler der Marxschen Preistheorie.

Wenn nun die Kritiker recht haben, dann geht gerade der quantitative Zusammenhang zwischen der Wert schaffenden Arbeit und den Preisen verloren, so dass die Werttheorie bestenfalls als interessante Spekulation überleben, man aber die Marxsche Preistheorie getrost vergessen kann. Es zeigt sich aber bei etwas gründlicherer Analyse, dass der Vorwurf des Kostpreisirrtums, obwohl man ihm die vernichtende Kraft eines Kampfgases nachsagt, in Wirklichkeit nur ein lauwarmer, miefiger Furz ist.

März 2016

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Weg mit Bortkiewicz - Marx hat recht

 Zur abgründigen Verballhornung der grundlegenden theoretischen Konstruktion im dritten Band des Kapital

Marx hat im „Kapital“ dargelegt, dass der Wert der Waren auf der Arbeitszeit beruht und wie sich aus dem Wert die Preise entwickeln. Er hat ferner ein Verfahren beschrieben, mit dessen Hilfe die Arbeitswerte in Produktionspreise umgerechnet werden können. Ein Haufen Zwerge, Mineure und Saboteure ist dagegen Sturm gelaufen. Ihr Anführer, ein gewisser Ladislaus von Bortkiewicz, hat versucht,  den Marxschen Riesenbau durch angebliche Verbesserung seiner grundlegenden Konstruktion zu untergraben und zum Einsturz zu bringen. Er ist bekannt geworden, weil er behauptet hat, dass Marx die Produktionskosten in seinem Verfahren falsch berechnet habe, wodurch es zur Verletzung der Reproduktionsbedingungen kommen könne. Und er ist heute noch berühmt wegen seines eigenen Transformationsschemas, das er zum Entsatz angeboten hat. Sobald man unvoreingenommen nachprüft, zeigt sich indes, das der vermeintliche Kostpreisfehler von Marx ein bloßes Hirngespinst ist und dass das Verfahren von Bortkiewicz selbst vollkommen sinnlos ist. Es erfüllt keine der zentralen Anforderungen an die Transformation von Werten in Preise, weder die Reproduktionsbedingungen, noch das Preisgesetz, aber es verstößt klar gegen das Wertgesetz. Von einer Berichtigung des Marxschen Verfahren zumal kann absolut keine Rede sein, da Bortkiewicz die grundlegenden Begriffe der Marxschen Kapitaltheorie nicht kapiert hat. Offenbar konnte er die einfache Produktion von Waren und die Produktion von Kapital, insbesondere die unmittelbare Produktion von Gebrauchswerten und die Verwertung von Kapital nicht auseinander halten. Denn er hat das konstante Kapital mit den  Produktionsmitteln und das variable Kapital mit den Lebensmitteln in einen Topf geworfen. Infolgedessen werden alle davon abhängigen Größen falsch berechnet, die kapitalistischen Kostpreise falsch, der Mehrwert und der Profit falsch, desgleichen die Mehrwertraten und die Profitrate. Im Übrigen kommt der Ausgleich der individuellen Profitraten in seinem Verfahren nicht durch Umverteilung von Mehrwert zustande, der Profit stammt nicht aus dem Mehrwert und die Profitrate ist unabhängig vom Mehrwert und von der Mehrwertrate. In einem Satz gesagt, die Wert-Preis-Transformation von Bortkiewicz hat erstens mit der Marxschen Theorie absolut nichts zu tun und ist zweitens auch für sich genommen nichts als Bockmist.

April 2011, Neufassungen April 2014
und Juni 2016

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Marxistische Preistheorie

Die Marxistische Preistheorie ist konsistent. Das von Marx im dritten Band des "Kapital" dargestellte Verfahren lässt sich auf jedes beliebige Modell der Produktion anwenden. Freilich muss das Verfahren an die jeweils vorliegende Verteilung des Eigentums an den Produktionsmitteln angepasst werden. Da das bisher nicht beachtet worden ist, mussten alle Versuche, Warenwerte in Preise zu transformieren, scheitern. Die Kritiker haben nun bequemer Weise die Schuld bei Marx und nicht bei sich gesucht. Berücksichtigt man die Eigentumsverhältnisse, dann lassen sich sowohl  die Mehrwertrate, als auch die Profitrate und mithilfe beider die Kosten der Produktion direkt am Anfang jedes Produktionszyklus bestimmen. Dazu genügt ursprünglich die Kenntnis der Warenwerte. An deren Stelle treten nach der Wert-Preis-Transformation die Inputpreise und die Inputpreise für jeden folgenden Zyklus sind die Outputpreise aus dem jeweils vorausgehenden Zyklus. Alle für die Preisbestimmung im aktuellen Zyklus relevanten Größen  lassen sich ganz prima ohne und vor aller Kenntnis der Outputpreise aus demselben Zyklus berechnen. Die Marxsche Preistheorie ist also mitnichten zirkulär, wie die illustre Kritik nicht müde wird zu behaupten. Es wird ferner gezeigt, dass das Preisgesetz der Wirklichkeit mit dem Marxschen Wertgesetz voll vereinbar ist, was seit Böhm-Bawerks Verdikt und der Trickserei von Bortkiewicz als unmöglich gilt. Der Gesamtpreis der Waren ist daher stets durch ihren Gesamtwert gegeben. Die Kosten der Produktion hängen ab von der Verteilung des Eigentums an den Produktionsmitteln zum einen und von der Größe der Mehrwertrate zum anderen. Das gleiche gilt für die allgemeine Profitrate und den Gesamtmehrwert, der zum Profit wird. Die Mehrwertrate selbst ist in bestimmten Grenzen frei variierbar und nur durch das Kräfteverhältnis zwischen den Klassen bestimmt. 

Die Wert-Preis-Transformation wird hier erstmals auch an einem Zahlenbeispiel erfolgreich durchgeführt. Zusätzlich werden noch die Preise für den folgenden Produktionszyklus berechnet. Alle Preise erfüllen samt und sonders die Reproduktionsbedingungen, das Preisgesetz und die beiden Summensätze des Wertgesetzes.

Der vorliegende Aufsatz verändert die Fassung vom Juli 15 in einem wesentlichen Punkt. Die Mehrwertrate ist hier ein unabhängiger Parameter und hat prägenden Einfluss auf fast alle preisrelevanten Größen, insbesondere auf das variable Kapital, den Mehrwert und die allgemeine Profitrate. Im Übrigen ist der Aufsatz die runderneuerte Version des Vorläufers vom September 14, der seinerseits die Urfassungen "Einzig das Kapital von Marx ist konsistent" vom Juli 2011 und "Die Marxsche Werttheorie ist notwendig und nicht redundant" vom November 2011 ersetzt.

November 2015

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Das Marxsche Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate und M. Heinrichs vergeblicher Kampf dagegen

Der Profit beherrscht die moderne Welt, und der Druck auf die Menschen, die ihn produzieren müssen, um die Profitrate zu halten, wächst beständig. Denn ihrem Eigengesetz zufolge müsste die Profitrate fallen.  Das jedenfalls hat Marx behauptet und er hat ausführlich begründet, weshalb das so sein muss. Die Profitrate muss fallen, grob gesagt, weil die Kapitalisten einerseits ständig versuchen, Arbeitskraft einzusparen, um ihre Produktivität zu steigern, andererseits ihren Profit ausschließlich der Verausgabung von Arbeitskraft verdanken. Die Profitrate muss Marx zufolge zwar nicht in absoluter Form fallen, aber beständig und progressiv. Marx hat seine These allein aus den Entwicklungsgesetzen der kapitalistischen Ökonomie abgeleitet, so dass man folgern muss, dass sich der Kapitalismus in seinem Lauf durch den Fall der Profitrate selbst Schranken setzt. Es kommt dann freilich nicht von ungefähr, dass das Marxsche Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate vehement bestritten und fast ausnahmslos abgelehnt wird. M. Heinrich hat sich durch besonders systematische und entschiedene Kritik hervorgetan. Hier wird nun seine Kritik zurückgewiesen und gezeigt, dass das Marxsche Gesetz erstens in der Sache vollkommen richtig ist, und dass es zweitens mathematisch stringent bewiesen werden kann, und schließlich, dass Marx schon alle dafür wesentlichen Argumente vorgetragen hat.

September 2016

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Sraffa  hat eine Preistheorie entwickelt, die für Furore gesorgt hat. Er will zeigen, dass man zu jeder Verteilung der Produktionsmittel die Mengenproportionen berechnen kann, in denen sie ausgetauscht werden, und dass man daraus Preise machen kann, mit denen sich die Ausgangsbedingungen rekonstruieren lassen. Das gelingt ihm nur sehr unvollkommen.

In einer Gesellschaft, die auf Gemeineigentum beruht, reichen diese Preise nicht aus, um die Ausgangsbedingungen für die Produktion wiederherzustellen. Die Kenntnis der Werte von allen Produkten ist unabdingbar. In einer Warengesellschaft ohne Surplus gelingt das Vorhaben nur, wenn die Sraffa-Preise mit den Werten der Waren übereinstimmen. In einer kapitalistischen Warenproduktion schließlich sind seine Preise überhaupt nicht zu gebrauchen, weil sie das kapitalistische Preisbildungsgesetz nicht erfüllen und weil es folglich für die Kapitalisten keinen Weg gibt, die einheitliche Profitrate zu bestimmen. Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist ungeachtet dieser Mängel weithin der Ansicht, dass Sraffas Preistheorie die Marxsche Werttheorie überflüssig macht. Wir zeigen umgekehrt, dass Sraffa nolens volens deren Unersetzlichkeit demonstriert und dass man Sraffas Gleichungssysteme benutzen kann, um das Transformationsproblem zu lösen.

August 2012

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Der Computerspezialist Paul Cockshott und der Ökonom Allin Cotrell haben ein Buch über sozialistische Planung und direkte Demokratie verfasst. In “Alternativen aus dem Rechner” entwerfen die beiden schottischen Autoren ein sozialistisches Wirtschaftssystem — durchaus nicht spekulativ aus dem Kopf. Sie benutzen, was im Schoße der alten Gesellschaft herangereift ist und gehen mit Realismus die Schwierigkeiten an, die von Utopisten gern verdrängt und an denen die Realsozialisten gescheitert sind.

Januar 2008

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Karl Marx hielt die theoretischen Sätze der Kommunisten nicht für Ideen von Weltverbesserern, sondern für den Ausdruck tatsächlicher Verhältnisse im existierenden Klassenkampf. In der Tageszeitung „junge Welt“ wird eine Debatte über Revisionismus in der SU geführt, an der sich bisher unter anderen Heinz Holz, Robert Steigerwald, Helmut Dunkhase und Gerhard Hanloser beteiligt haben. Die Autoren haben viele Definitionen von Revisionismus und noch mehr angebliche Revisionismen aufgelistet, aber keinen einzigen theoretischen Satz, auf den man sie beziehen könnten.

April 2008

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Die USA drohen dem Iran mit Krieg und in Europa wollen sie Abwehrsysteme gegen iranische Raketen installieren. Geht beides zusammen oder wird wieder ein großes Täuschungsmanöver inszeniert?

März 2007

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Bortkiewicz is often regarded as the father of a new period in the debate on the transformation problem in political economy. He is also said to  have made one of the two unique substantial analytic contributions towards its solution which surely plaid an important role in the depreciation of the Marxian theory. This is all the more strange for, at a second glance, it turns out to be mere bullshit.

December 2010

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Since more than a century, Bortkiewicz's Transformation System has been used to support claims that the "Capital" of Marx is inconsistent. It is however, totally inappropriate for this issue, all the more from a modeltheoretical point of view it goes better with real socialism than with capitalism.

April 2011

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